Stützpunkt Heeres-Küstenbatterie 4./180

Baupunkt 49 – Stützpunkt Heeres-Küstenbatterie 4./180 „Thyborön“:

​​Die Heeres-Küstenbatterie „Thyborön“ befand sich an einer geographischen Schlüsselstelle Jütlands, auf der schmalen Thyborøn Odde, die die Nordsee vom Limfjord trennt. Diese Landzunge war von höchster strategischer Bedeutung für den Schutz des westlichen Zugangs zum weitverzweigten Limfjord. Ein Durchbruch feindlicher Seestreitkräfte an dieser Stelle hätte nicht nur den Nachschub der Wehrmacht in Nordjütland gefährdet, sondern den Alliierten ermöglicht, tief in das dänische Hinterland vorzudringen. Zusammen mit der 4 Kilometer nördlich gelegenen Marine-Küstenbatterie „Agger“ sollte der Kanal für feindliche Schiffe unpassierbar gemacht werden.
Angefangen hat die Verteidigung der Odde im April 1940 mit 3 Maschinengewehren und ein paar wenigen deutschen Soldaten.

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Im laufe des Krieges wurde die Heeres-Küstenbatterie von ihrer 1941 ursprünglich feldmäßig angelegten Stellung, zu einem befestigtem Stützpunkt, welcher den südlichen Abschluss der Stützpunktgruppe bildete, ausgebaut.
Anfänglich befanden sich vier offene Geschützbettungen mit französischen 10,5cm Beutegeschützen vom Typ K331(f) in der flachen Dünenlandschaft. Die benötigten Mannschaften zur Bedienung waren in Baracken hinter den Dünen untergebracht. Auch der Feuerleitstand und die Munitionsunterstände waren vorerst in feldmäßiger Ausführung erstellt worden.
Dies änderte sich im Herbst 1942 mit dem Beginn der Bauarbeiten für vier Gruppenunterstände des Typs R501. Im verlaufe des Jahres 1943 wurde dann ein Großteil der Regelbauten in der Küstenbatterie betoniert und ab Herbst an die Truppe übergeben.
Mit als letztes wurde im Frühjahr 1944 mit dem Bau von vier Geschützschartenständen des Typs R671 begonnen.
Mit ihren diversen Nebenbauten war die Küstenbatterie damit sowohl zur Seezielbekämpfung, als auch zur Abwehr von Infanterie gut gerüstet.

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Aufgrund der exponierten und flachen Dünenlandschaft war die Batterie auf der Odde durch alliierte Luftaufklärung leicht auszumachen. Um der Tatsache entgegen zu wirken erprobte die Wehrmacht in der Heeres-Küstenbatterie ein aufwändiges Tarnkonzept.
Hier kam der junge Architekturstudent Poul Morell Nielsen ins Spiel. Angestellt bei einer Baufirma in Lemvig war er bei der Organisation Todt damit beauftragt worden die teilweise freistehenden Bunker wie zivile Gebäude erscheinen zu lassen.
Einige Bunker erhielten daraufhin künstliche Ziegelfassaden und Ziegelanbauten um die auf Luftbildern eindeutige Silhouette zu verschleiern. Aufgemalte Fenster und Türen, sowie aufgesetzte Beton- oder Holzdachkonstruktionen taten ihr übriges.
Die vier Schartenstände vom Typ R671 und der Feuerleitstand wurden aufgrund fehlender Dünen freistehend gebaut und durch verschiedenförmige Deckenverstärkungen ergänzt.
Was die Deutschen nicht ahnten, während Nielsen tagsüber pflichtbewusst die Tarnungen entwarf, erstellte er nachts heimlich Lagepläne und Zeichnungen von Bunkern und Verteidigungsanlagen. Durch seine Arbeit bei der Organisation Todt hatte er zudem die Möglichkeit Originalpläne zu kopieren.
Das ausgearbeitete Material schmuggelte er über den dänischen Widerstand nach Schweden, von wo aus es per Mikrofilm nach London zum britischen Geheimdienst weitergeleitet wurden. Wegen seiner Unterschrift, einer Pfeife rauchenden Schildkröte, erhielt er den Decknamen „Schildkrötenspion“.

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Nach der Demontage der Bewaffnung und technischen Einrichtungen im Jahr 1945 durch das dänische Militär unterlag die Anlage zunehmend den Kräften der Natur. Die stetige Küstenerosion hat die einst sicher landeinwärts errichteten Bunker an die Brandungslinie der Nordsee verlagert. Als Teil des „Kystcentret Thyborøn“ dokumentieren sie heute die einstige Komplexität eines Bauprojekts, das darauf ausgelegt war, einen entscheidenden Durchlass an der Nordsee dauerhaft unter militärischer Kontrolle zu halten.

Der folgende Kartenausschnitt zeigt den Stand des Ausbaus im Juni 1944.


Folgende Bauwerke, Einheiten und Waffen waren soweit bekannt in der Anlage vorhanden:

Einheiten:Stand 15.01.1945
– H.K.A. Rgt. 180
Personalstärke:Stand 15.01.1945
– Artillerie: 158 Mann
Schwere Waffen:Stand 15.01.1945
– 2x 12,2cm K390 (r)
– 4x 10,5cm K331 (f)
Leichte Waffen:Stand 15.01.1945
– 3x 8cm Granatwerfer
– 4x 5cm Granatwerfer 36
– 3x 2,5cm Flak Hotchkiss
– 4x MG 34
– 3x MG 42
– 3x MG 127 (b)
– 5x Flammenwerfer 41
Schartenstände:1x R631 – Schartenstand für 4,7cm Festungspak
4x R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°)
Geschützstände:4x Geschützstand mit offener Bettung
Ringstände:8x MG-Ringstand
1x Bauform 65a – Ringstand für 5cm Kw.K.
1x Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34
Leitstand:1x R636 – Befehlsstand für Heeres-Küstenbatterie
Munitions-Auffüllräume:2x R134 – Munitionsunterstand I
2x R607 – Munitionsunterstand II
Unterstände:4x R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann
3x R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann
3x R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang
Leichte Flak und Scheinwerferstände:2x L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak
1x L411 – Unterstand für Flakscheinwerfer 60cm
1x FL277 – Scheinwerferstand mit Unterstellraum für Scheinwerfer und Maschinensatz
Beobachtungsstände:1x R120 – Artillerie-Beobachtungsstand mit Panzerturm
1x R666 – Infanterie-Beobachtungsstand mit Kleinstglocke

Die folgenden Fotos wurden, soweit nicht anders beschriftet, von Kurt Stigaard zur Verfügung gestellt.

R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):


Das folgende Foto zeigt einen der Schartenstände nach dem 2. Weltkrieg mit gut sichtbaren Spuren der bereits entfernten Tarnung.

R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):


Das Foto unten zeigt einen weiteren Schartenstand. Bei der Nachkriegsaufnahme ist noch gut die Tarnung als Sommerhaus zu erkennen.

R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):


Das Foto unten zeigt einen der vier Schartenstände während des 2. Weltkrieges. Durch den Anbau aus Ziegelmauerwerk und das zusätzliche Dach ähnelt der Bunker aus einiger Entfernung einem Sommerhaus.

R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):

Geschützstand mit offener Bettung:

Das folgende Foto zeigt den nördlichsten Geschützstand mit offener Bettung unmittelbar südlich des Feuerleitstandes noch vor dem Bau der Schartenstände und Umsetzen der 10,5cm Geschütze.

Geschützstand mit offener Bettung:

Bauform 65a – Ringstand für 5cm Kw.K.:

Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34:

R636 – Befehlsstand für Heeres-Küstenbatterie (49027):


Das Foto unten zeigt den Befehlsstand der Heeres-Küstenbatterie von der Rückseite mit der aufwändigen Tarnung als Sommerhaus. Besonders auffällig sind hierbei die verwendeten Dachziegel.


Die Nachkriegsaufnahme unten zeigt den Feuerleitstand von der Seite.

R134 – Munitionsunterstand I:

R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann:

R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann:

R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann:

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann:

R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang:

R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang:

R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang:

L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak:


Das Foto unten zeigt den nördlichen Geschützstand L409A mit einer 2,5cm Flak Hotchkiss. Im Hintergrund ist der südlichste Schartenstand vom Typ R671 zu sehen.

L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak:

L411 – Unterstand für Flakscheinwerfer 60cm (49633):

FL277 – Scheinwerferstand mit Unterstellraum für Scheinwerfer und Maschinensatz (49043):


Das Foto unten zeigt den eigentlichen Scheinwerferstand vor dem Unterstellraum.

R666 – Infanterie-Beobachtungsstand mit Kleinstglocke:

(CC)