Raudnitz

Großtanklager „Raudnitz“:

Deckname: Fischberg

Bereits im Jahr 1939, kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Tschechien, begann die Wifo mit dem Bau des neuen Großtanklagers bei Hněvice. Anfänglich war das Großtanklager, welches unter dem Namen „Raudnitz“ laufen sollte (heute Roudnice), mit einer Lagerkapazität von 100000m³ Kraftstoff geplant worden. Es war neben den Tanklagern „Wien-Lobau“ und „Staßfurt“ die einzige Anlage die nicht für die Lagerung von Schmierstoffen vorgesehen war. Durch den relativ späten Bau des Tanklagers „Raudnitz“ wurde direkt mit dem Bau der seinerzeit modernen 20000m³ großen Behälterblöcke zur Lagerung des Kraftstoffes begonnen.
In einem späteren Ausbauprogramm sollte das Großtanklager noch einmal um 200000m³ auf insgesamt 300000m³ Tankraum ausgebaut werden. Von den somit insgesamt 15 geplanten Behälterblöcken wurden bis Kriegsende nur die Blöcke 1,2 und 3 gänzlich und die Blöcke 6 und 7 im Rohbau fertiggestellt. Für die Blöcke 4, 5, 11 und 15 wurden nurnoch die Erdarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Zudem entstanden im Gelände 5 Trafostationen, insgesamt 4 Pumpstationen, ein Heizhaus, 3 Mannschaftsunterkünfte und eine Ethylisierungsanlage bestehend aus einer Mischplatte und einem Ethyl-Fasskeller vor Block 7.

Zum Transport des Kraftstoffes entstand im Südwesten des Tanklagers ein Benzinbahnhof mit mehreren Abfüllgruben und 2 Benzinpumpstationen. Mittig zwischen den beiden Pumpstationen befand sich zudem ein splittersicherer Schlauchraum.
Östlich schlossen sich an den Benzinbahnhof 8 parallel verlaufende Aufstellgleise für Kesselwagen an. Hier befand sich auch ein Lokschuppen, die Gleiswaage und eine Rampe.
Von hier aus teilten sich die Gleise in den südöstlich gelegenen und aus insgesamt 9 Gleisen bestehenden Übergabebahnhof des Tanklagers. Nordlich darüber befand sich das Fassumschlagslager. Neben einigen Gebäuden die den Fassbetrieb sicherstellen sollten lagerten hier unzählige Fässer unter freiem Himmel, nur mit Tarnnetzen gegen Sicht aus der Luft abgedeckt.

Etwas weiter südlich wurde zum Transport der Kraftstoffe auf dem Seewege ein kleiner Stichhafen gebaut. Dieser Hafen mit seinen 6 Rohrbrücken mit Pumpenponton und den dazugehörigen 3 Zählerhäusern wurde nie komplett fertiggestellt. Das Pumpen von Kraftstoff zu den 5er-Blöcken war aber technisch möglich.

Ganz im Nordwesten bei Block 11 entstanden zudem 2 Pumpstationen für die zum Tanklager führenden Fernleitungen aus dem Hydrierwerk Brüx und dem Großtanklager Wien-Lobau. Ziel dieser beiden Leitungen war es einerseits Kraftstoff von Wien an der Donau nach Raudnitz an die Elbe zu verbringen um ihn von dort mit Bahn aber vorallem mit dem Schiff weiter zu verteilen. Auf der anderen Seite sollte so der Kriegswichtige aus Kohleverflüssigung (Bergius-Pier-Verfahren) in Brüx hergestellte Kraftstoff an die Elbe gelangen.

Zwischen dem Wachgebäude und den Blöcken 8 und 9 befand sich die Werksgruppe des Tanklagers bestehend aus Werkstatt, Magazin, Waschbaracke, Labor und dem dazugehörigen Probenkeller. Südlich zwischen der Wache und den Aufstellgleisen für die Kesselwagen lag der Verwaltungsbereich mit dem Wifo-Heim, der Bauleitung, verschiedenen Bürobaracken und dem Heizhaus. Ganz im Nordosten, etwas außerhalb des umzäunten Geländes lag das Arbeitslager. Dieses Lager bestand aus gut 20 Baracken und einer großen Wirtschaftsbaracke. Hier waren die für die verschiedenen Bauarbeiten benötigten Arbeitskräfte untergebracht.

(CC)