Divisions-Gefechtsstand Silkeborg

Baupunkt 91 – Divisions-Gefechtsstand „Silkeborg“:

​Das in der deutschen Verwaltung unscheinbar als „Baupunkt 91“ bezeichnete Gelände bei Silkeborg Bad nahm während der Besatzungszeit Dänemarks eine zentrale militärische Rolle ein. Die auf einem bewaldeten Höhenzug bereits vorhanden gewesenen und im Zuge der Erweiterung durch die Deutschen errichteten Bauwerke sollten dem „Wehrmachtsbefehlshaber Dänemark“ als Hauptquartier dienen. Bis zur Fertigstellung war der Befehlsstand mit zwei Bunkern in der „Nyboder Schule“ in Kopenhagen untergebracht. Die Entscheidung zur Errichtung eines neuen Hauptquartiers in Silkeborg fiel bereits 1942. Die Verlagerung war eine direkte Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch eine alliierte Invasion und die Notwendigkeit das Kommando näher an eine erwartete Frontlinie zu verlegen. Zudem bot das Gelände praktischerweise alle Vorzüge eines Naherholungsgebietes mit Badeanstalt.

​Die Bauphase des neuen Hauptquartiers begann im Frühjahr 1943 mit der Errichtung einzelner Baracken und dem Bau der ersten Bunker. Am 31.8.1943 wurde der Großteil der Doppelgruppenunterstände (R622) und der Gefechtsstand (R608) an die Truppe übergeben. Das Hauptquartier erreichte somit bereits am 5. November 1943 seine volle Operationsbereitschaft. Nach der Winterfrostperiode, im Frühjahr 1944, wurde auch der Nachrichtenstand (R618) vollendet. Neben diversen kleineren splittersicheren Bauten und einigen Anlagen zur Nahverteidigung umfasste der Stützpunkt schlussendlich 12 Bauwerke aus dem Regelbauprogramm.

​Als erster Kommandant bezog General Hermann von Hanneken das neue Hauptquartier im November 1943. Er führte sein Kommando bis zur Ablösung durch Generaloberst Georg Lindemann im Januar 1945. Lindemann befehligte von da an die deutschen Truppen in Dänemark bis zum Kriegsende. Die Übernahme des Kommandos durch einen hochrangigen Generaloberst mit Fronterfahrung wies auf den befürchteten Abwehrkampf gegen die immer näher rückenden Alliierten auf dänischem Boden hin.
Dies zeigt auch der weitere Ausbau der Anlage mit zwei neuartigen Regelbauten der Typen V196 und R691. Durch die beiden massiven Bunker sollte eine bessere und vor allem sicherere Arbeitsweise des Generalstabes ermöglicht werden. Beide Bunker wurden bis Kriegsende zwar fertig betoniert und mit einigen Einbauteilen versehen, aber nicht mehr voll ausgestattet und an die Truppe übergeben.

​Auf dem Gelände war neben dem Wehrmachtsbefehlshaber die Führungsabteilung (Ia), die Quartiermeisterabteilung und die Kartenstelle untergebracht. Zudem der Wehrmachts-Nachrichtenführer Dänemark und der Nachrichtenführer beim Stab, die für die gesamte Kommunikationsinfrastruktur verantwortlich waren. Der Festungs-Pionier-Stab 31 befand sich ebenfalls auf dem Gelände.

Trotz Kapitulation blieb der „Divisions-Gefechtsstand Silkeborg“ noch bis zum 6. Juni 1945 operativ, wobei seine primäre Aufgabe in der Organisation und Abwicklung der logistisch immensen Repatriierung der deutschen Besatzungstruppen aus Dänemark bestand. Unmittelbar danach wandelte sich die Funktion des Ortes. Die militärische Infrastruktur wurde genutzt um von 1945 bis 1947 deutsche Zivilflüchtlinge unterzubringen.

Seit 1995 kümmert sich der Verein „Silkeborg Bunker Museum“ um den Erhalt der ehemaligen Wehrmachts-Liegenschaft. Das Museum selber erstreckt sich mittlerweile über zwei Doppelgruppenunterstände vom Typ R622. In Zukunft soll der ursprüngliche Gefechtsstand vom Typ R608 ebenfalls historisch hergerichtet werden.

Wir bedanken uns hiermit auch persönlich bei Kurt Stigaard und unserem Guide vor Ort, der trotz schwierigsten Wetterbedingungen bei unserem Besuch einen Zugang zu allen Bunkern möglich machte.

Der folgende Kartenausschnitt zeigt den Stand des Ausbaus im Juni 1944.


Folgende Bauwerke, Einheiten und Waffen waren soweit bekannt in der Anlage vorhanden:

Ringstände:8x MG-Ringstand
Unterstände:8x R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann
1x Bauwerk für Ladeaggregat
2x Splitterschutz für Sendeanlage
1x Kabelschaltstelle
1x Kraftstoffstelle
1x Brunnen- und Wasserversorgungsstand
Leichte Flak und Scheinwerferstände:4x Flakhochstand für leichte Flak
Gefechtsstände:1x R608 – Batl.- Abt.- oder Regimentsgefechtsstand, eingeschossig
1x V196 – Befehlsstand
Nachrichtenstände:1x R618 – Nachrichtenstand für höhere Stäbe
1x R691 – Funksenderstand für höhere Befehlsstellen

Das Foto unten zeigt den Eingangsbereich mit Hauptwache. Im Hintergrund links das Unterkunftsgebäude für 100 Mann „Hohenstaufen“.

Kasino und Offiziersmesse „Großglockner“:

Direkt vor dem bereits aus Zeiten der Badeanstalt stammenden Gebäude befand sich der ursprüngliche Gefechtsstand vom Typ R608.

Offiziersunterkunft und Kartenstelle „Schwarzwald“:

Ringstand 58c:

Ringstand 58c:

Ringstand 58c:

Ringstand 58c:

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann – Deckname „Bertha“:


In dem Doppelgruppenunterstand „Bertha“ befindet sich heute das mit viel Liebe zum Detail ausgebaute Museum. Vor Ort findet man viele einmalige Exponate es der Zeit des 2. Weltkrieges in Silkeborg. Durch den Verein und seine Mitglieder werden regelmäßig Führungen in dänischer Sprache angeboten.


Die Fotos unten zeigen den mit vielen Details wieder hergerichteten Bunker. Selten ist hierbei auch der funktionsfähige Lüfter mit Handkurbel, welcher für uns bei unserem Besuch in Betrieb genommen wurde.


Das untere Foto zeigt die originale Schreibmaschine des Ordonnanzoffiziers Walter Kienitz aus dem Divisions-Gefechtsstand.

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann- Deckname „Charlotte“:


Der unten gezeigte Doppelgruppenunterstand „Charlotte“ wurde vor einiger Zeit ebenfalls mit größerem Aufwand zum Museumsbunker umgebaut und kann im Zuge der Führungen über das Gelände besichtigt werden.

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann – Deckname „Dora“:


Die folgenden zwei Fotos zeigen wie die Natur den Bunker „Dora“ langsam verschlingt.

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann – Deckname „Erika“:

R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann – Deckname „Furie“:

Splitterschutz für Sendeanlage I:


Die Fotos unten zeigen einen von zwei splittergeschützten Unterständen für die Sendeanlage. Neben der eigentlichen Sendeanlage diente das Bauwerk zum Unterstellen eines 12Kw starken „Maschinensatz A“ mit 220/380 Volt und 25 Ampere auf einem Sonder-Anhänger 24. Im Zuge des späteren Ausbaus sollten die beiden Unterstände durch den bis Kriegsende nur noch im Rohbau fertiggestellten Regelbau des Typs R691 ersetzt werden.

Splitterschutz für Sendeanlage II:


Die beiden Fotos unten zeigen den zweiten, baugleichen Unterstand für die zweite Sendeanlage mit „Maschinensatz A“.

Kabelschaltstelle:

Die beiden Fotos unten zeigen die splittersichere Kabelschaltstelle in Hanglage.

Flakhochstand für leichte Flak I:

Das Foto unten zeigt die Sockel für einen hölzernen Flakhochstand.

Flakhochstand für leichte Flak II:

Die beiden Fotos unten zeigen die Sockel für einen weiteren hölzernen Flakhochstand.

R608 – Batl.- Abt.- oder Regimentsgefechtsstand, eingeschossig (91001):


Der ehemalige Gefechtsstand des „Wehrmachtsbefehlshabers Dänemark“ wurde nach dem Krieg mit Erde abgedeckt und erst vor einigen Jahren freigelegt. Mittlerweile wurde der erdversenkte Bunker sehr aufwendig mit einem neuen Zugangsbauwerk versehen. In Zukunft ist geplant den Bunker möglichst nah am Original als Teil des Museums wieder herzustellen.
Der Gefechtsstand befindet sich unter dem Rasen vor dem Gebäude „Großglockner“ welches Kasino und Offiziersmesse beherbergte.


Die folgenden Fotos zeigen den Nachrichten-, Plan- und Funkraum. Ursprünglich handelte es sich dabei um 3 separate Räume. Die gemauerten Zwischenwände sind heute nicht mehr vorhanden.


Das Foto unten zeigt die Kabeldurchführung in den Nachrichten-Raum.


Das folgende Foto zeigt die vom Funkraum zu besetzende Scharte für die direkte Verteidigung des rechten Einganges.


Die beiden Fotos unten zeigen einen ursprünglich mit einer Zwischenwand versehenen Raum. Die beiden Räume dienten dem Adjutanten und Ordonnanzoffizier und dem Führer des Gefechtsstandes als Unterkunft.


Die beiden Fotos unten zeigen den Lüfterraum des Gefechtsstandes.


Auf dem Foto unten ist der kleine Bereitschaftsraum neben dem Lüfterrraum zu sehen.


Das folgende Foto zeigt die Gasschleuse des linken Einganges und die kleine Nische für die Heizung.


Die beiden Fotos unten zeigen den Nahkampfraum und die Scharte für den flankierenden Beschuss beider Zugänge.

R618 – Nachrichtenstand für höhere Stäbe – Deckname „Nina“ (91002):


Das Foto unten zeigt den Durchgang vom linken Eingang zum rechten Eingang.


Das folgende Foto zeigt den vermauerten rechten Eingang.


Das Foto unten zeigt den schmalen Raum für die Kabeltrommel und dem dazugehörigen Karren.


Die folgenden zwei Fotos zeigen den Laderaum.


Die beiden Fotos unten zeigen die Vermittlung und den Melderaum. Mittlerweile fehlt die gemauerte Zwischenwand.


Die beiden Fotos unten zeigen den Schaltbefehlsstand.


Das folgende Foto zeigt den schmalen Flur hinter der Scharte für die Eingangsverteidigung.


Das Foto unten zeigt den Schaltraum.


Die Fotos unten zeigen den Funkoffizier Schlüsselraum und den Funkraum. Beide Räume waren damals getrennt. Heute fehlt die gemauerte Zwischenwand.


Das Foto unten zeigt den schmalen Antennenraum am Ende des Bunkers.

V196 – Befehlsstand:


Die folgenden Fotos zeigen den neuen, nicht mehr bezogenen Befehlsstand für den „Wehrmachtsbefehlshaber Dänemark“. Von dem autarken Bunker konnten sowohl die Aufgaben des R608 als auch des R618 wahrgenommen werden. Zudem bot der neue Befehlsstand deutlich mehr Platz um die mittlerweile gestiegenen Anforderungen an eine moderne Gefechtsführung zu gewährleisten.
Der Bunker wurde bis Kriegsende nicht mehr bezogen und nur noch im Rohbau fertiggestellt.

Das folgende Foto zeigt den Bunker kurz nach der Fertigstellung noch ohne Bepflanzung.


Die Fotos unten zeigen den Bereitschaftsraum I hinter dem vorderen Eingang. Hier befindet sich auch die Scharte für die Eingangsverteidigung.


Das folgende Foto zeigt den Bereitschaftsraum II.


Das Foto unten zeigt den Bereitschaftsraum III:


Das Foto unten zeigt die Telefonvermittlung des Befehlsstandes. Rechts im Bild erkennt man die Tür in den Fernschreibraum. Beide Räume verfügen über einen gekachelten Fußboden.


Hinter der Telefonvermittlung befand sich der unten abgebildete, schmale Fernschreibraum.


Das folgende Foto zeigt den Funkraum I.


Auf den unteren beiden Fotos ist der Flur in den Versorgungstrakt des Bunkers zu sehen.


Auf dem folgenden Foto sieht man den Brunnenraum mit Brunnenrohr in der Bodenplatte.


Das Foto unten zeigt den Heizraum mit Maschinensockel und Wandanschlüssen.


Die unteren zwei Fotos zeigen den Lüfterraum des Befehlsstandes.


Die beiden Fotos unten zeigen den relativ kleinen Bereitschaftsraum IV. Hier war das Personal zur Wartung und Instandhaltung der Maschinen und Anlagen im Bunker untergebracht.


Das Foto unten zeigt den vom Bereitschaftsraum IV abgehenden Nahkampfraum für den flankierenden Beschuss des Seiteneinganges.


Das folgende Foto zeigt den Flur zum Seiteneingang und den beiden Aborten.


Das Foto unten zeigt das Abort I. An der Wand im Hintergrund befand sich das WC. Rechts sind noch die Reste des Waschbeckens zu erkennen.


Das Foto unten zeigt das 2. Abort des Bunkers. Auch hier ist rechts im Bild der Metallrahmen des Waschbeckens zu sehen.


Das folgende Foto zeigt den vermauerten Seiteneingang in den Befehlsstand.


Die beiden Fotos unten zeigen den Maschinenraum.


Auf dem Foto unten ist der kleine abgetrennte Brennstoffraum zu sehen.


Das folgende Foto zeigt den kleinen Flur mit den beiden Zugängen zu den Aborten auf der linken Seite.


Die beiden Fotos unten zeigen das Geschäftszimmer für die Lagebesprechungen des Generalstabes.


Das folgende Foto zeigt den Nahkampfraum II zur Sicherung des Seiteneinganges.


Die folgenden Fotos zeigen den 2. Funkraum.

R691 – Funksenderstand für höhere Befehlsstellen (91021):


Die Fotos unten zeigen den Funksenderstand R691. Bis Kriegsende wurde der Bunker nicht mehr fertiggestellt. In die beiden Senderräume sollten die bis dato nur splittergeschützten Sender des „Divisions-Gefechtsstandes“ untergebracht werden.


Die beiden Fotos unten zeigen den Bereitschaftsraum für 9 Mann. Hier schlief das technische Personal welches für den reibungslosen Ablauf im Funksenderstand zuständig war.


Die folgenden Fotos zeigen Senderraum II. In der Außenwand befinden sich die großen Abluftöffnungen um die erwärmte Luft der Kühlungsanlage aus dem Bunker zu leiten.


Das Foto unten zeigt den Nahkampfraum hinter Senderraum II zum flankierenden Beschuss der beiden Eingänge.


Die Fotos unten zeigen den Lüfter- und Brunnenraum. Der große Brunnenschacht des Bunkers wurde mittlerweile versiegelt. Der Brunnen war notwendig zur Wasserkühlung der heißen Röhren der Senderanlage.


Die beiden Fotos unten zeigen Senderraum I. Genau wie im anderen Senderraum befinden sich in der Außenwand die ungewöhnlich großen Abluftöffnungen.


Die 3 Fotos unten zeigen den großen Maschinenraum des Funksenderstandes. Im Hintergrund erkennt man die Montageöffnung Richtung Senderraum I.


Auf dem Foto unten sieht man die Aussparung zum Einbringen größerer Maschinen in den fertigen Bunker. Theoretisch sollten alle Montageöffnungen nach Fertigstellung verschlossen werden.

(CC)