Neuburg/Unterhausen

Großtanklager „Neuburg / Unterhausen“:

Deckname: Buchenberg

Bereits ein Jahr nach Gründung der Wirtschaftlichen-Forschungsgesellschaft, im Sommer 1935, wurde auf einem ca. 212 Hektar großen Gelände mit den Vorarbeiten für ein weiteres Großtanklager begonnen. Nachdem Offiziere der Wehrmacht das bewaldete Gelände grob begangen und abgegrenzt hatten, begann die Baufirma „Keller“ aus Frankfurt mit ca. 3 Wochen andauernden Sondierungsbohrungen. Die Ausführung der ersten Arbeiten im Unterhausener-Forst begannen im September 1935. Im November wurde das Gelände dann mit einem 2 Meter hohen Stacheldrahtzaun eingegrenzt. Zu den ersten Maßnahmen gehörten vorallem umfangreiche Baumfällarbeiten die bis Oktober 1937 andauerten. Noch im selben Jahr wurde die Wasserpumpstation an der Beuthmühle mit den dazugehörigen Rohrleitungen errichtet. Im Frühjahr/Sommer des Jahres 1936 wurde durch die Baufirmen „Dyckerhoff und Widman AG“ und „Wayss und Freytag AG“ damit begonnen die ersten Betonierungsarbeiten auszuführen. Diese Arbeiten dauerten etwa 2 Jahre. Spätestens am 01.01.1938 ging das Tanklager dann in Betrieb. Mit Ausbruch des Krieges Ende 1939 wurde durch das Forstamt aus Tarnungsgründen mit der erneuten Bepflanzung des Geländes begonnen.

Gebaut werden sollten auf dem ursprünglich bewaldeten Areal südlich der Donau 3 Kraftstoff-Behältergruppen mit jeweils 10 unterirdischen Behältern. Jeder dieser Kraftstoffbehälter hatte ein Volumen von 3333m³. Insgesamt ergab sich hierdurch eine theoretische Gesamtkapazität von 99990m³.

Neben Kraftstoffen war das Tanklager ebenfalls für die Einlagerung von Schmierstoffen vorgesehen. Hierfür wurden 20 unteridische Schmierstoffbehälter in 3 Gruppen errichtet. Jeder dieser Behälter hatte eine Größe von 287m³. Daraus ergab sich eine Lagerkapazität von 5740m³.

In einem späteren Ausbauprogramm sollte das Tanklager in mehreren Schritten auf insgesamt 300000m³ Tankraum für Kraftstoffe und 15000m³ für Schmierstoffe erweitert werden. Hierzu kam es allerdings nicht mehr. So begann man in den Bauabschnitten „Wifo II“ (größeres Areal im Westen) und „Wifo III“ (kleines Areal westlich des Benzinbahnhofes) zwar noch mit kleineren Vor- und Erdarbeiten, die für die Erweiterung geplanten Behälterblöcke und weiteren Anlagen wurden aber nicht mehr ausgeführt.

Im Nordosten des Geländes befand sich der Benzinbahnhof des Tanklagers. Zwei Pumpstationen standen hier zur Verteilung des Kraftstoffes auf die 30 Abfüllgruben entlang des Gleises zur Verfügung.

Unmittelbar westlich schloß sich der Ölbahnhof mit der erdversenkten Ölpumpstation an. Zur Betankung der Eisenbahn-Kesselwagen standen hier 5 Abfüllgruben für Schmierstoffe zur Verfügung. Hier befand sich auch der Lokschuppen und ein Feuerlöschgerätehaus.

Im Bereich des Bahnhofes Unterhausen, nördlich der Bahnlinie, befanden sich die Gebäude der Berufsfeuerwehr.

Die Ethylisierungsanlage bestand aus einer Mischpumpstation und einer Mischplatte in der Nähe des Benzinbahnhofs. Zudem entstanden insgesamt 3 Ethyl-Fasskeller. Zwei davon befanden sich in der Nähe der Mischplatte am Benzinbahnhof, der dritte Fasskeller lag zwischen den Benzin- und Öltankgruppen. Zur Verteilung von Flugbenzin mit L.K.W. wurde zudem eine behelfsmäßige Abfüllanlage für Fässer errichtet.

Direkt hinter dem Haupteingang des Tanklagers befanden sich das Verwaltungsgebäude, die alte Kantine, das Labor und der Probenkeller. Direkt am Tor 1 befand sich das Wachegbäude und die Telefonvermittlung. Ein Stück weiter, außerhalb des Tanklagers, entstand das sogenannte „Buchenberglager“. Hier befanden sich unter anderem 2 Magazingebäude, Bürogebäude, eine Sanitätsbaracke, eine Schlosserei, die Lehrwerkstatt der Schlosserei, ein Feuerlöschgerätehaus, ein Feuerlöschteich, Unterkunftsbaracken und die neue Kantine. Für Fliegeralarme errichtete man einen Luftschutz-Deckungsgraben.

Für die Unterbringung der Facharbeiter und ihrer Familien wurde im Jahr 1937 mit dem Bau einer Werks-Siedlung begonnen. Im Jahr 1939 zogen die ersten Betriebsangehörigen in die Neubauten ein. Zusätzlich zu den Wohngebäuden baute man für die Beschäftigten auch einen Kindergarten und ein Freibad.

Nach schweren Bonbenangriffen auf Berlin war zeitweise im Bereich des „Buchenberglagers“ auch die „Hauptverwaltung und Hauptabteilung Transport“ untergebracht.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gelände des Tanklagers durch 3 Luftangriffe schwer getroffen. Hierbei wurden insgesamt 8 unterirdische Behälter durchschlagen und zerstört. Zudem fanden 38 Menschen, darunter 11 Kinder, den Tod. Der erste dieser 3 schweren Luftangriffe, am 25.02.1945, richtete noch Verhältnismäßig wenig Schaden an der zum Betrieb notwendigen Infrastruktur an. Bis auf einige Schäden an Gebäuden und Wegen hatten die 261 Tonnen Bombenlast ihr Ziel verfehlt. Verheerender war der 2. Luftangruff am 09.04.1945. Dieses mal warfen 89 Bomber der US-Luftstreitkräfte 968 250Kg-Sprengbomben auf das Zielgebiet. Zerstört wurden ein Großteil der Bahnanlagen, diverse Eisenbahn-Kesselwagen und auch Wohnhäuser. Der mit Abstand schwerste Angriff traf das Tanklager dann am Vormittag des 18.04.1945. Hierbei wurden unter anderem die Bahnanlagen, Werkstätten und das Verwaltungsgebäude total zerstört. Im gesamten Werksgelände und auch in der Umgebung kam es zu mehreren Bränden. Besonders schwer wurde an diesem Tag auch das „Buchenberglager“ und das Dorf Unterhausen getroffen. Diverse Gebäude wurden mehr oder weniger vernichtet. Mit ihnen auch 4 Kinder, 6 Frauen und 3 Männer.

Nach Ende des Krieges wurde das durch die Militärregierung bewachte Tanklager zurückgebaut und nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 1948 für die Sprengung vorbereitet. Aufgrund der veränderten politischen Lage wurde das Tanklager noch im selben Jahr durch die US-Besatzung wieder in Betrieb genommen. Im Zuge dessen wurde 1947 auf dem Gelände auch mit der Reparatur von Eisenbahn-Kesselwagen begonnen. Dieses Reparaturwerk ist bis heute in Betrieb.

Das Tanklager selbst wurde nach Auflösung der Wifo von der VTG (Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH) weitergeführt. Im Jahr 2005 wurde das Tanklager durch die TanQuid übernommen Noch heute befinden sich Teile des ursprünglichen Tanklagers der Wifo aus den 1930er Jahren in Betrieb.

(CC)