Baupunkt 63 – Heeres-Küstenbatterie 6./180 „Nymindegab“:
Die Heeres-Küstenbatterie „Nymindegab“ entstand an einem für die deutsche Küstenverteidigung besonders wichtigen Abschnitt der dänischen Westküste. Nymindegab liegt am südlichen Ende des Ringkøbing Fjords, dort wo die Küstenlandschaft zwischen Nordsee, Dünen und dem Fjord einen natürlichen Übergang zwischen verschiedenen wichtigen Verkehrs- und Operationsräumen bildet. Die deutsche Führung betrachtete den Küstenabschnitt zwischen Nymindegab und Ribe als besonders gefährdet. Nach einer alliierten Analyse der deutschen Küstenverteidigung galt gerade dieser Bereich als einer der wahrscheinlichsten Abschnitte für eine Landung in Jütland. Das flache Hinterland bot vergleichsweise günstige Bedingungen für vorrückende oder aus der Luft eingesetzte Truppen, während die festen Sandstrände eine Landung erleichtern konnten. Gleichzeitig lag mit Esbjerg ein wichtiger Hafen in erreichbarer Nähe.
Die gesamte Stützpunktgruppe „Nymindegab“ bestand deshalb zusätzlich zur Heeres-Küstenbatterie aus einem Infanterie-Stützpunkt, einer von der Marine betriebenen Seetaktischen-Funkmeßstellung und diversen hinter der ersten Dünenreihe gelegenen kleinen Widerstandsnestern. Zusammen sollten diese Anlagen eine mögliche alliierte Landung bereits im Küstenvorfeld bekämpfen und anschließend den Übergang vom Strand in das Hinterland erschweren.
Der Bau der Heeres-Küstenbatterie begann im Juni 1941. Zunächst handelte es sich um eine vergleichsweise einfache Feldstellung. Die Hauptbewaffnung bestand aus vier französischen 10,5cm Geschützen vom Typ K331 (f), die nach der deutschen Besetzung Frankreichs als Beutewaffen zur Verfügung standen. Die Geschütze befanden sich zunächst in offenen Bettungen, die Bedienungen waren in Baracken untergebracht.
Ab 1942 änderte sich der Charakter der Batterie grundlegend. Die offenen Geschützstellungen wurden schrittweise durch Betonbunker aus dem Regelbauprogramm ersetzt. Die vier Hauptgeschütze erhielten Geschützschartenstände vom Typ R671. Hinzu kamen unter anderem ein Feuerleitstand des Typs R636, Munitions- und Mannschaftsbunker sowie verschiedene Anlagen für die Nahverteidigung. Insgesamt entstand dadurch ein umfangreicher, stark befestigter Stützpunkt.
Die Lage der Batterie in den Dünen war dabei von besonderer Bedeutung. Die Geschütze konnten aus den mit Tarnnetzen abgehangenen Schartenständen auf Seeziele wirken während die umliegenden Stellungen den Schutz gegen angreifende Infanterie und Luftlandetruppen übernahmen.
Bei einem Besuch des dänischen Küstenabschnitts durch Generalfeldmarschall Erwin Rommel im Jahr 1943 wurde allerdings deutlich, dass die deutsche Verteidigung an dieser Stelle noch Schwächen aufwies. Insbesondere die fehlende, küstennahe infanteristische Verteidigung, die an der dänischen Küste sonst durch Flankierungsgruppen und kleinere Widerstandsnester sichergestellt wurde, wurde in Nymindegab bemängelt. Man empfahl deshalb die Infanteriestellungen näher an die Küste zu verlegen und die bereits vorhandenen Bauten als zweite Verteidigungslinie hinter der ersten Dünenreihe zu nutzen.
Besonders interessant ist, dass Nymindegab nicht nur als einsatzbereite Küstenbatterie diente, sondern auch Versuchsanlagen, ähnlich wie bei Blåvand, beherbergte. In der Stellung wurden unterschiedliche Geschütz- und Bunkerkonstruktionen erprobt. Dazu gehörten im südlichen Bereich ein sogenannter „Gogarten-Stand“ (Stand mit Panzerdrehhaube) für 15,5cm K416 (f), ein sogenannter „Guernsey-Stand“ oder „Jäger-Stand“ (Geschützschartenstand auf Kugelgelenkkranz) für 10,5cm K331 (f) und ein Geschützschartenstand für 15,5cm s.FH 414(f) in S.L. IV als R671. Nördlich der eigentlichen Geschützbatterie befanden sich zudem ein Geschützschartenstand des Typs R611, eine Schwenkbettung für 7,5 cm in R612 und ein Schartenstand für S.L. VI R679. Dadurch besaß Nymindegab innerhalb des deutschen Küstenverteidigungssystems eine gewisse Sonderstellung.
Durch die Versuchsbauten wurden in der Küstenbatterie immer wieder verschiedene Waffen zeitweise eingebaut und getestet. Die dänische Untersuchungskommission von 1946 bestätigte vier 10,5cm Geschütze in Geschützschartenständen, sowie ein 15,5cm Geschütz in einem Panzerturm. Anfang Januar 1945 befand sich zudem noch eine russische 12,2cm Kanone in der Stellung.
Zu einem größeren Gefecht kam es in Nymindegab nicht. Die befürchtete alliierte Invasion an diesem Abschnitt blieb aus. Mit der deutschen Kapitulation im Mai 1945 verlor die Batterie ihre militärische Funktion. Im Laufe der Jahrzehnte versandeten vor allem die zahlreichen Geschützstände in der ersten Dünenreihe. Heute sind sie unter den mit Gras bedeckten Dünen nur noch zu erahnen. Im Hinterland hingegen sind, wie auf den Fotos unten zu sehen, noch viele Spuren der einstigen Küstenbatterie vorhanden
Der folgende Kartenausschnitt zeigt den Stand des Ausbaus im Juni 1944.

Folgende Bauwerke, Einheiten und Waffen waren soweit bekannt in der Anlage vorhanden:
| Einheiten: | Stand 15.01.1945 – 6./ H.K.A. Rgt. 180 |
| Personalstärke: | Stand 15.01.1945 – Artillerie: 136 Mann |
| Schwere Waffen: | Stand 15.01.1945 – 1x 15,5cm (416f) – 1x 12,2cm (r) – 4x 10,5cm (f) |
| Leichte Waffen: | Stand 15.01.1945 – 3x 8,1cm Granatwerfer (dän) – 4x 5cm Granatwerfer 36 – 2x 5cm Kw.K. L/42 – 3x 2,5cm Flak Hotchkiss (f) – 1x Maschinengewehr 34 – 4x Maschinengewehr 42 – 3x Maschinengewehr 127b |
| Schartenstände: | 1x R611 – Geschützschartenstand für Feldgeschütze (60°) 4x R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°) 1x Geschützschartenstand „Jäger“ für 10,5cm K331(f) |
| Feuerleitstand: | 1x R636 – Befehlsstand für Heeres-Küstenbatterie |
| Ringstände: | 6x MG-Ringstand 2x Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34 2x Sockel für 5cm Kw.K. |
| Munitions-Auffüllräume: | 2x R134 – Munitionsunterstand I 1x R607 – Munitionsunterstand II 2x R674 – Kleinstunterstand für Munition |
| Unterstände: | 3x R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann 1x R502 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann 1x R621 – Gruppenunterstand für 10 Mann 2x R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann 1x R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang 1x R645 – Stand für eine Küche 2x LS-Unterstand „Siegfried“ |
| Leichte Flak und Scheinwerferstände: | 2x L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak 1x FL277 – Scheinwerferstand mit Unterstellraum für Scheinwerfer und Maschinensatz |
| Beobachtungsstand: | 1x R120 – Artillerie-Beobachtungsstand mit Panzerturm |
R611 – Geschützschartenstand für Feldgeschütze (60°) (63000):

Die folgenden zwei Fotos zeigen den als Versuchsstand in Nymindegab gebauten Geschützschartenstand R611 mit Bewaffnung.


Sockel für 5cm Kampfwagen-Kanone:


Sockel für 5cm Kampfwagen-Kanone:


Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34:





Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34:



Ringstand 58c:



R134 – Munitionsunterstand I:



R134 – Munitionsunterstand I:





R607 – Munitionsunterstand II (63028):



R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann:









R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann:



R635 – Doppelgruppenunterstand am Vorderhang (63017):









R645 – Stand für eine Küche (63038):



LS-Unterstand „Siegfried“:


L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak:






R120 – Artillerie-Beobachtungsstand mit Panzerturm (63040):



(CC)