Großtanklager „Wien-Lobau“:
Deckname: Nebelberg
Baubeginn des neuen Großtanklagers der Wifo in der Lobau bei Wien war im Juni 1940. Bereits ein Jahr später trafen die ersten Kraftstoffe in der noch im Bau befindlichen Anlage ein. Im Gegensatz zu den bereits Mitte der 1930er Jahre gebauten Großtanklagern verfügte „Wien-Lobau“, genau wie die Tanklager „Raudnitz“ und „Bremen-Farge“, über keine einzelnen, unterirdischen Kraftstoffbehälter mehr. Es wurde direkt mit dem Errichten der zu damaliger Zeit modernen, großen Behälterblöcke mit 5x 4000m³ begonnen.
Anfänglich waren 5 dieser Behälterblöcke mit jeweils 20000m³ geplant. Im Jahr 1941 wurde beschlossen, das Tanklager noch einmal auf das doppelte, also insgesamt 200000m³ Tankraum, zu erweitern. Fertiggestellt wurden schlussendlich nur 8 der 10 geplanten Blöcke mit einem Gesamtvolumen von 160000m³.
Einmalig ist hierbei, dass alle 8 Blöcke wie auf einer Perlenkette in Reihe gebaut wurden. Diese moderne Bauweise, weg von der Anordnung der Blöcke in Gruppen, findet sich nur in „Wien-Lobau“. Praktischerweise war es so ebenfalls möglich alle Blöcke über einen durchgehenden, unterirdischen Gang miteinander zu verbinden. Über solche Gänge waren auch die beiden Pumpstationen des Tanklagers erreichbar.
Südlich von Block I befand sich der Benzinbahnhof des Tanklagers. Hier stand zum Betanken und Entladen der Eisenbahn-Kesselwagen die Benzinpumpstation I mit diversen Abfüllgruben zur Verfügung. Die Pumpstation I wurde bei der Auslagerung nur durchfahren (Abstoß mit der Pumpe des Behälterblocks), die wirkliche Nutzung der vorhandenen Infrastruktur fand hauptsächlich bei der Einlagerung statt. Die Eisenbahn-Kesselwagen wurden auf der Gleiswaage verwogen und anschließend freispiegelnd in die Pufferbehälter entladen. Von dort aus wurde der Kraftstoff mit den Pumpen der Pumpstation I weiter in den jeweiligen Block gepumpt.
Direkt westlich des Benzinbahnhofes befand sich der mit mehreren parallel verlaufende Gleisen gelegene Aufstellbahnhof für Eisenbahn-Kesselwagen. In diesem Bereich befanden sich auch die Gleiswaage und die beiden Lokschuppen des Tanklagers. Zudem befanden sich an den Gleisen zwei kleine Bunker in denen Schaumbildnermittel gelagert wurde.
Direkt östlich des Benzinbahnhofes schloss sich das relativ kleine Fassumschlagslager an. Genau wie in anderen Tanklagern üblich lagerten hier Fässer größtenteils unter freiem Himmel, abgedeckt mit Planen und Tarnnetzen.
Nordöstlich von Behälterblock I wurde ein kleiner Hafen mit Betankungsanlage angelegt. Zum Transport des Kraftstoffes auf Schiffe und umgekehrt waren insgesamt 3 Rohrbrücken mit Pumpenponton an der Südwestkante des Hafens errichtet worden. Bei der Entladung von Tankern am Hafen wurde zusätzlich zur Erfassung der Menge der Zählerraum mit Ovalradzählern genutzt.
Unmittelbar westlich neben Block 8 befand sich die Ethylisierungsanlage. Da der Sinn und Zweck des Tanklagers in Wien-Lobau ursprünglich das reine Sammeln und Verteilen der durch Rohrleitungen, auf dem Seewege und über Eisenbahn-Kesselwagen angelieferten Produkte (Benzin, Gasöl und Petroleum) von den umliegenden Raffinerien war, wurde erst Ende 1941 mit dem sogenannten „Russenprogramm“ begonnen die notwendigen Gebäude für eine Flugkraftstoff-Mischanlage zu errichten.
Direkt südlich von Block 8 entstanden dafür der Ethylkesselwagen-Bunker und die dazugehörge Kesselwagenmischplatte. Im Gegensatz zum Ethylkesselwagen-Bunker wurde die Kesselwagenmischplatte nur noch begonnen. Die Gleisanlagen fehlten in diesem Bereich komplett. Eine Herstellung von Flugkraftstoff fand im Tanklager bis Kriegsende nicht mehr statt.
Zur Lagerung von Fässern wurde direkt neben Block 8 noch ein Ethyl-Fasskeller gebaut.
Nördlich der in Reihe gebauten Blöcke befand sich die sogenannte Benzinpumpstation II zusammen mit dem unmittelbar daneben gelegenen Kesselhaus. Von hier aus führte eine etwa 370 Kilometer lange Rohrleitung zum Tanklager nach Raudnitz. Sinn dieser Rohrleitung sollte es sein Kraftstoffe von Wien an der Donau in das Tanklager „Raudnitz“ an die Elbe zu liefern.
Der Verwaltungsbereich des Tanklagers befand sich ganz im Westen. Hier befanden sich sich neben den Verwaltungsgebäuden auch ein größeres Arbeitslager. Direkt angeschlossen an den Verwaltungsbereich befand sich die Werksgruppe des Tanklagers bestehend aus dem Magazin mit Werkstatt, dem Labor, einem Probenkeller und den Garagen mit angebautem Kesselhaus.
Mineralölverarbeitungsanlage „Lobau II“:
Ende 1942 wurde nördlich des eigentlichen Wifo-Tanklagers damit begonnen auf dem Werksgelände der „Ostmärkischen Mineralölwerke GmbH – Werk Lobau“ eine Schmierölverarbeitungsanlage zu errichten. Insgesamt wurden 24000m³ Tankraum für Produkte mit einem Flammpunkt über 100°C hergestellt. Das Bauvorhaben lief unter der Bezeichnung „Lobau II“.
Die Lagerbehälter des Tanklagers „Lobau II“ waren oberirdisch mit splittersicherer Betonummantelung gebaut worden.
Neben den bereits vorhandenen Bauten sollten mehrere neue Pumpstationen und andere Nebengebäude erstellt werden.
Das Tanklager war aufgeteilt in 3 Bereiche:
Zwischenprodukte-Tanklager:
- 3 Tanks mit 1000m³ für Paraffin-Destillat
- 3 Tanks mit 500m³ für Schweröl-Raffinat
- 2 Tanks mit 500m³ für entparaff. Schweröl-Raffinat
- 3 Tanks mit 500m³ für Leichtöl-Raffinat
- 2 Tanks mit 500m³ für entparaff. Leichtöl-Raffinat
- 2 Tanks mit 500m³ für Spindelöl-Raffinat
- 2 Tanks mit 500m³ für entparaff. Spindelöl-Raffinat
- 2 Tanks mit 500m³ für Sekundär-Raffinat
Fertigöl-Tanklager:
- 2 Tanks mit 500m³ für entparaff. Spindelöl
- 2 Tanks mit 500m³ für entparaff. und gefiltertes Spindelöl
- 3 Tanks mit 500m³ für schweres Motorenöl
- 4 Tanks mit 500m³ für Motorenöl
- 2 Tanks mit 500m³ für Synthose-Öl
- 2 Tanks mit 500m³ für Gemisch
Nebenprodukte-Tanklager:
- 2 Tanks mit 1000m³ für Extr. Asphalt
- 2 Tanks mit 500m³ für Leichtöl Extrakt
- 2 Tanks mit 500m³ für Petrolatum
- 2 Tanks mit 250m³ für Gatsch
(CC)