Baupunkt 07 – Heeres-Küstenbatterie 10./180 „Semmering“:
Die primäre Aufgabe der Heeres-Küstenbatterie „Semmering“, im „Artillerie Stützpunkt Süd“, lag in der Sicherung und Kontrolle des Skagerraks, der Meeresstraße zwischen Dänemark und Norwegen. Der Seeweg verbindet die Nordsee mit der Ostsee und diente als Lebensader für die Rohstoffversorgung des Deutschen Reiches aus Skandinavien.
Durch die Positionierung westlich des Leuchturmes von Hirtshals war es der Batterie möglich, feindliche Schiffsbewegungen frühzeitig aufzuklären und Teile des Skagerraks im Zusammenspiel mit den Geschützbatterien auf der norwegischen Seite zu sichern. Zugleich schützte die Anlage den wichtigen Fähr- und Fischereihafen von Hirtshals vor alliierten Landungsversuchen.
Die Bewaffnung bestand ab dem Jahr 1941 aus vier französischen Feldgeschützen des Kalibers 10,5cm, die auf offenen Bettungen mit Munitionsnischen aufgestellt waren. Angesichts drohender alliierter Kommandounternehmen wurde Nordjütland im Jahr 1942 mehrfach in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Als Folge dessen begann im Herbst des selben Jahres der Ausbau mit den ersten Regelbauten vom Typ R501 und R502.
Am 3. Dezember 1943 inspizierte Generalfeldmarschall Erwin Rommel in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der „Heeresgruppe B“ die Heeres-Küstenbatterien in Hirtshals. Insgesamt äußerte er sich unzufrieden mit dem Tempo des Ausbaus. Die einzelnen Stellungen wurden daraufhin durch ein System von mehreren Kilometern Laufgräben verbunden. Zudem wurde der Ausbau mit Regelbauten und kleineren Stellungen gegen Infanterie weiter voran getrieben. Es entstanden Geschützschartenstände, ein Feuerleitstand, Luftabwehr-, Mannschafts- und Munitionsbunker.
Zur Abwehr von Landungstruppen wurden zusätzlich auf ausgedehnten Minenfeldern über 26.000 Minen verlegt. Als die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie landeten, war die Stützpunktgruppe Hirtshals im wesentlichen fertiggestellt und voll einsatzbereit. Die Besatzung der einzelnen Bunker bestand in den letzten Kriegsmonaten zunehmend aus älteren Jahrgängen sowie Soldaten verschiedener Nationalitäten, darunter Polen und Volksdeutsche.
Heute befindet sich am Leuchtturm von Hirtshals, durch die fast vollständig fehlende Küstenerosion, für Besucher und Interessierte die einmalige Möglichkeit die endlosen Laufgräben zwischen den mit Sand und Dünengras abgedeckten Bunkern zu erkunden.
In einem der Doppelgruppenunterstände vom Typ R622 befindet sich zudem ein kleines Museum.
Der folgende Kartenausschnitt zeigt den Stand des Ausbaus im Juni 1944.

Folgende Bauwerke, Einheiten und Waffen waren soweit bekannt in der Anlage vorhanden:
| Einheiten: | Stand 15.01.1945 – H.K.B. 10./180 |
| Personalstärke: | Stand 15.01.1945 – Unbekannt |
| Schwere Waffen: | Stand 15.01.1945 – 2x 12cm – 4x 10,5cm (f) – 1x 8,8cm Pak |
| Leichte Waffen: | Stand 15.01.1945 – 3x 8,1cm Granatwerfer – 4x 5cm Granatwerfer – 3x 5cm Kw.K. – 3x 2,5cm Flak – 4x schweres Maschinengewehr – 4x leichtes Maschinengewehr – 1x Maschinengewehr 37 – 1x Maschinengewehr 34 |
| Funkmeßgeräte: | 1x Fu.M.O. 15 „Scheer“ 1x Fu.M.B 11 „Korfu“ 1x Fu.M.B. 21 „Pellworm“ |
| Schartenstände: | 4x R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°) 1x R676 – Kleinstschartenstand für 4,7cm Festungspak |
| Geschützstände: | 4x Geschützstand mit offener Bettung 1x Sockel für 5cm Kw.K. |
| Feuerleitstand: | 1x R636 – Befehlsstand für Heeres-Küstenbatterie |
| Ringstände: | 7x MG-Ringstand 1x Bauform 65a – Ringstand für 5cm Kw.K. 2x Bauform 69 – Ringstand für schweren Granatwerfer 34 |
| Munitions-Auffüllräume: | 2x R134 – Munitionsunterstand I 1x R607 – Munitionsunterstand II 2x R674 – Kleinstunterstand für Munition |
| Unterstände: | 3x R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann 2x R502 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann 2x R621 – Gruppenunterstand für 10 Mann 4x R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann 1x R628 – Gruppenunterstand am Vorderhang 1x R645 – Stand für eine Küche 1x R661 – Unterstand für Verwundetensammelstelle 1x R668 – Kleinstunterstand für 6 Mann 8x LS-Unterstand „Siegfried“ |
| Leichte Flak und Scheinwerferstände: | 2x L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak 1x FL277 – Scheinwerferstand mit Unterstellraum für Scheinwerfer und Maschinensatz 2x Scheinwerferstand |
| Beobachtungsstand: | 1x R120a – Artillerie-Beobachtungsstand mit Panzerturm |
| Ortungsstelle: | 1x V174 – Stand für Fu.M.O. mit Zerstörersäule |
R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):

Das Foto unten zeigt den Geschützschartenstand vom Typ R671 zur Auflockerung im Gelände mit Tarnnetzen.

R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):






R671 – Schartenstand für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume (120°):





Geschützstand mit offener Bettung:




Geschützstand mit offener Bettung:




R636 – Befehlsstand für Heeres-Küstenbatterie (07154):

Das folgende Foto zeigt den Feuerleitstand der Batterie. Die nicht mit Sand und Dünengras abgedeckten Teile wurden mit Tarnnetzen bedeckt.








Ringstand 58c:



Ringstand 58c:




R134 – Munitionsunterstand I:





R674 – Kleinstunterstand für Munition:






R501 – Gruppenunterstand für 10 Mann:






R622 – Doppelgruppenunterstand für 20 Mann:

Die folgenden Fotos zeigen einen von vier Doppelgruppenunterständen des Typs R622. Der Mannschaftsbunker wurde durch das Museum wieder mit Leben gefüllt.







LS-Unterstand „Siegfried“:


LS-Unterstand „Siegfried“:


L409A – Geschützstand für 3,7cm Flak:







Scheinwerferstand:

V174 – Stand für Fu.M.O. mit Zerstörersäule (07422):

Die beiden Fotos unten zeigen das auf dem Regelbau V174 vorhandene Fu.M.O. 15 „Scheer“ zur Ortung von Schiffsbewegungen. Im Hintergrund rechts ist der hölzerne Hochstand für das Fu.M.B. 21 zu sehen.









Fu.M.B. 21 „Pellworm“:
Das folgende Foto zeigt rechts im Bild den hölzernen Hochstand für das Fu.M.B 21 „Pellworm“. Links im Bild ist das Fu.M.O. 15 „Scheer“ zu sehen.

Fu.M.B 11 „Korfu“:
Das Fundament diente zur Aufnahme der Kabine eines Fu.M.B 11 „Korfu“.

(CC)