Flak- und Sperrbatterie Heikendorf (Paul):
Batterie-Kommandeure:
- Oberleutnant d.R. Franz 09.1939 – ?
- Oberleutnant M.A. Dr. Lupprian
Zur Geschichte der Flak- und Sperrbatterie Heikendorf:
Im Jahr 1927 sahen die ersten Planungen für den Flakschutz der Festung Kiel eine Flakbatterie mit dem Namen „Paul“ bei dem kleinen Dorf Krokau in der Probstei vor. Genauer Aufstellungsort für die Flakbatterie „Paul“ sollte das Gelände der bereits geschleiften „Flakbatterie I“ aus dem Kaiserreich werden.
Entgegen dieser Planungen entschied man sich Mitte der 1930er Jahre jedoch für einen anderen Standort. Errichtet wurde die Flak- und Sperrbatterie „Paul“ innerhalb der Wallanlagen der ehemaligen, geschleiften Redoute auf dem Heidberg bei Heikendorf.
Von hier aus verfügte die bereits im Juli 1935 einsatzbereite Flakbatterie über einen guten Blick auf die Kieler Förde. Aufgestellt wurden die 3 anfänglich vorhandenen Geschütze hinter den teilweise noch erhaltenen, nach Westen gerichteten, Wallanlagen der ehemaligen Redoute in behelfsmäßigen Geschützbettungen.
Im Oktober 1936 handelte es sich bei den in der Flak- und Sperrbatterie aufgestellten Geschützen um 3x 8,8cm Flak in C/30 Lafette. Ein Munitions-Auffüllraum vom Typ I war ebenfalls fertiggestellt. Der Flakleitstand I und sämtliche Nebenbauten fehlten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch komplett.
Anfang Dezember 1936 entschied das Oberkommando der Kriegsmarine den im Monat zuvor von der Marinestation der Ostsee, Admiral Albrecht, vorgebrachten Vorschlag zur Erhöhung der Gefechtsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Flugabwehr zuzustimmen.
Hiermit wurde auch die Flak- und Sperrbatterie „Paul“ in das Ostseeprogramm für die Jahre 1937 und 1938 aufgenommen. Ziel war ein Ausbau der Batterie auf 4 Geschütze mit Flak-Kommandogerät und 2 MG C/30 zur Abwehr von Tieffliegern.
Das folgende Foto zeigt den Blick zur geschleiften Redoute auf dem Heidberg bei Heikendorf. Im Hintergrund ist die Kieler Förde zu erkennen.

Bereits im Jahr 1937 war die Flak- und Sperrbatterie „Paul“ dann mit 4x 8,8cm S.K. in M.P.L. C/30, einem Flakleitstand mit Dreiwag und 2 MG C/30 ausgerüstet.
Gebaut wurden hierfür 4 Flak-Hochbettungen unbekannten Typs mit darunter liegenden Bereitschaftsräumen und ein zentral gelegener Flakleitstand I. Zum Schutz gegen Tiefflieger wurden jeweils westlich und östlich, außerhalb der Wallanlagen der ehemaligen Redoute Heidberg, zwei Einheitsstände für leichte Flak gebaut. Gegenüberliegend der Geschützstellung, in Richtung Kieler Förde, entstand zusätzlich ein Flakleitstand II vom Typ III und eine Maschinenzentrale.
Im Juli 1939 waren die Arbeiten an der modernen Flakbatterie dann größtenteils fertiggestellt. Die letzten beiden, noch vorhandenen 8,8cm Flakgeschütze waren abgebaut worden und im Gegenzug 3x 10,5cm S.K. C/32 in M.P.L. C/30 aufgestellt. Auch der Flakleitstand I verfügte mittlerweile über ein „Dreiwag Küste schwer“. Lediglich der Innenausbau von Flakleitstand II war zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen.
Ausrüstung der Batterie im Februar 1940:
- Bauzustand: Ausgebaut
- Bereitschaftsgrad: Gefechtsbereit
- Geschütze: 3×10,5cm C/32
- Kommandogerät: Dreiwag schwer
- Zünderstellmaschinen: 3 Stück
- Leichte Flak: 1 Geschütz
Im Jahr 1943 fanden in der Flakbatterie Heikendorf dann erneut größere Umbauarbeiten statt. Die aufgestellten 4 10,5cm Geschütze sollten gegen 4 Geschütze des Kalibers 12,8cm getauscht werden. Hierfür war der Bau von neuen Geschützbettungen erforderlich. Die 4 neuen Geschützbettungen wurden rund um den ehemaligen Flakleitstand I in quadratischer Anordnung gebaut.
Neuer Flakleitstand für die 12,8cm Geschützstellung wurde der ehemalige Flakleitstand II der alten 10,5cm Geschützstellung. Außerdem wurde etwas weiter südlich der Flakbatterie zusätzlich zu dem früh gebauten Munitions-Auffüllraum vom Typ I noch ein zweiter Munitions-Auffüllraum vom Typ II gebaut.
Am 30.10.1943 war die neue Feuerstellung mit 3x 12,8cm gefechtsklar. Am 5.11.1943 war die Flakbatterie dann mit allen 4 Geschützen voll gefechtsklar.
Geräte der Batterie bei Kriegsende:
- Geschütze: 4×12,8cm Flak 40 (gelähmt)
- Kommandogerät: Lg 5
- E-Messgerät: 4 m R Em
- Funkmessgerät: Würzburg D (zerstört)
- Leichte Geschütze: –
- Munition: 700 Schuß 12,8cm Spgr. (gelähmt)
- 600 Schuß 12,8cm Sonderladung (gelähmt)
Im Sommer 1945 wurde damit begonnen die Flakbatterie Heikendorf zu sprengen. Von den Sprengungen blieben lediglich die beiden Munitions-Auffüllräume und der Flakleitstand II verschont.
Das brach liegende Trümmergelände wurde bis in die 1970er Jahre nach und nach mit etwa 125000m³ Hausmüll aufgefüllt. Dieser wurde danach mit Boden aus dem Neubaugebiet „Roesoll“ abgedeckt und später bepflanzt.
Mittlerweile ist von der ehemaligen Flakbatterie nur noch ein begrünter Hügel erkennbar. Auch der viele Jahre an der Straße vorhandene Flakleitstand II ist als solcher nicht mehr vorhanden. Bei genauerem Hinsehen zeugen ein paar wenige Betontrümmer und die beiden Eingänge des 2. Munitions-Auffüllraumes von der Existenz der zur Verteidigung der Festung Kiel errichteten Flakbatterie Heikendorf aus dem 2. Weltkrieg.
Schäden und Verluste:
Bei einem Luftangriff am 16.9.1944 entstanden im Barackenlager leichte bis mittlere Schäden.
Der folgende Lageplan zeigt die 12,8cm Flakbatterie Heikendorf am 17.05.1945 vor der Sprengung.

Das folgende Foto zeigt eine Luftaufnahme des Geländes der Flakbatterie Heikendorf im Juli 1971. Links im Bild ist die gesprengte, mit Boden abgedeckte und bepflanzte Geschützstellung der Flakbatterie zu sehen. Unten links, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ist der Flakleitstand II zu erkennen.

Maschinenzentrale für Flakbatterien:
Über den genauen Typ und die Bauart der Maschinenzentrale ist nichts bekannt.
Flakleitstand I und Bettungen für schwere Flak:
Die Geschützstellung der Flakbatterie Heikendorf befand sich innerhalb der ehemaligen Wallanlagen der aus dem Kaiserreich stammenden Redoute am Heidberg.
Nachdem anfänglich behelfsmäßige Bettungen gebaut wurden, erstellte man für die neue 10,5cm Geschützstellung moderne Flak-Hochbettungen mit darunter liegenden Bereitschaftsräumen aus Eisenbeton.
Für die Umrüstung auf die neuen, leistungsfähigeren 12,8cm Flakgeschütze im Jahre 1943 überbaute die Marine die alten 10,5cm Flak-Hochbettungen. Insgesamt entstanden so 4 neue Geschützbettungen.
Flakleitstand II mit Kleinkog- und Bereitschaftsräumen „Typ III“ (freistehend):
Der Flakeitstand II der Batterie Heikendorf war in seiner Form als zweistöckiger Hochbau mit aufgesetzter Leitstandbettung ausgeführt worden.
Im Untergeschoss des Hochbaus befanden sich der Offiziersraum, ein Waschraum mit Aborten und der Kleinkograum. Im Obergeschoss befanden sich die Bereitschaftsräume der Mannschaft. Der Zugang war mit einem kleinen Eingangsbauwerk versehen. Durch aufgemalte Fenster sollte der Flakleistand II den Eindruck eines Wohnhauses erwecken.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Bunker für unterschiedliche Zwecke genutzt. Unter anderem bis ins Jahr 2000 von der Fischräucherei Schöler. Im Jahr 2001 wurde der Flakleitstand II dann teilweise abgebrochen und in ein neues Wohnhaus integriert. Heute ist das Bauwerk als solches nicht mehr erkennbar.
Die Zeichnungen unten zeigen Schnitte und Grundrisse des Flakleitstands II.




Das 3D-Model zeigt den Flakleitstand II nach den oben abgebildeten Zeichnungen.








Die beiden Fotos unten zeigen den Flakleitstand II mit angebauter Fischräucherei Schöler.


Die folgenden Fotos zeigen den Flakleitstand II nach dem Abriss der Fischräucherei Schöler.




Die folgenden Fotos zeigen Innenaufnahmen aus dem Flakleitstand II.



Das Foto unten zeigt den Aufgang zu dem Bereitschaftsraum im 1. Stockwerk.

Die folgenden Fotos zeigen Aufnahmen aus dem Bereitschaftsraum.



Die Fotos unten zeigen den Aufgang zur Leitstandbettung.


Das folgende Foto zeigt die originale Stahltür beim Aufgang zur Leitstandbettung.

Die beiden Fotos unten zeigen eine Nische der Leitstandbettung.


Die Fotos unten zeigen den Teilabriss des ehemaligen Flakleitstands II für den Umbau zum Wohnhaus.





Das folgende Foto zeigt das fertige Wohnhaus am Heidberg. Von dem Flakleitstand II der Flakbatterie Heikendorf ist auf den ersten Blick nichts mehr zu erkennen.

Einheitsstand für leichte Flak „Ost“ (freistehend):
Vom östlichen Einheitsstand für leichte Flak sind heute noch einige wenige Betontrümmer der Geschützbettung zu sehen. Ansonsten wurden die beim Sprengen entstandenen Trümmer, wie auch der Rest der Geschützstellung, übererdet.



Einheitsstand für leichte Flak „West“ (freistehend):
Der leichte Flakstand westlich der Geschützstellung wurde nach dem Krieg gesprengt. Die Reste des Flakstandes wurden später beseitigt. Heute ist von dem Bauwerk nichts mehr vorhanden.
Munitions-Auffüllraum für Flakbatterien „Typ I“ (freistehend):
Der Munitions-Auffüllraum befand sich am Kolonnenweg südlich der Geschützstellung. Der Bunker wurde in den 1950er Jahren mit einem Wohnhaus überbaut und als Keller genutzt.
Ende der 1990er Jahre wurde das Wohnhaus dann abgerissen. Nur der Bunker blieb erhalten.
Mittlerweile ist von dem ehemaligen Munitions-Auffüllraum nichts mehr zu erkennen.
Die Zeichnungen unten zeigen Schnitte und den Grundriss des Munitions-Auffüllraumes.

Das 3D-Model zeigt den Munitions-Auffüllraum nach den oben abgebildeten Zeichnungen.




Die folgenden Fotos zeigen den Ende der 1990er Jahre freigelegten Munitions-Auffüllraum vom Typ I. Wie auf den unteren Fotos zu erkennen ist verfügte der Bunker über einen verhältnismäßig langen Zugang.





Die Fotos unten zeigen Detailaufnahmen aus dem Munitions-Auffüllraum.




Munitions-Auffüllraum für Flakbatterien „Typ II“:
Die Aufnahmen unten zeigen den für die 12,8cm Geschützstellung neu errichteten Munitions-Auffüllraum vom Typ II. Der in Hanglage gebaute Bunker verfügte über zwei Eingangsbauwerke.



Funkmessgerät:
- Im Februar 1944 wurde ein Fu.M.O. (Flak) TD von der Flakbatterie Heikendorf in die Scheinwerferstellung Stakendorf verlegt. Dafür wurde ein Fu.M.O. TD V in der Flakbatterie Heikendorf aufgestellt.
Barackenlager:
Die folgenden 3 Fotos zeigen durch Flüchtlinge bewohnte Baracken der Flakbatterie Heikendorf nach dem 2. Weltkrieg.


